Psychotherapie in Berlin
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Sigmund Freud - Pionier des Unbewußten, Autor der Psychoanalyse 

Freud hat ein großes Oeuvre hinterlassen, die Sekundärliteratur zu seinen Theorien und zu seiner Person ist unüberschaubar. Finden Sie hier lediglich einige prägnante Informationen für eine Orientierung:

 

Leben

Freud gehörte zur sogenannten "2. Generation" von Psychologen. Während die 1. Generation (z. B. Wundt, Griesinger, Charcot, Janet und Breuer) grundsätzliche Beobachtungen zu Psychiatrie und Neurologie angestellt haben, kommt Freud das Verdienst zu, eine erste in sich schlüssige Theorie zum Unbewußten und zu seelischen Phänomenen geschaffen zu haben. Er lebte von 1856 bis 1939 und mußte kurz vor seinem Freitod (er war schwer krebskrank) nach London emigrieren, da er als Jude unter nationonalsozialistischer Herrschaft mörderischer Willkür ausgesetzt war. Hier verbinden sich bereits Werk und Person, da Freud Religion und Philosophie konsequent von der Psychologie trennen und diese den medizinischen Wissenschaften zugänglich machen wollte.

 

Werk und Theorien

Zu Freuds bekanntesten und prägendsten Werken gehören seine Studien zur Hysterie und die Traumdeutung. Beinahe in den Alltagssprachgebrauch übergangen sind die Instanzen seines Modells der Seele: Über-Ich, Ich und Es. Trotz seiner o. g. Bemühungen, die Psychoanalyse als objektive Wissenschaft zu etablieren, wird heute von einem szientistischen Mißverständnis gesprochen: Das Werk Freuds ist in erster Linie hermeneutisch zu verstehen, d. h. seine Theorien können nur aus dem Zusammenhang des Werkes, aber nicht objektiv abgeleitet werden. Die von Freud selbst abgelehnte Nähe zur Philosophie zeigt sich vielleicht erst aus dem zeitlichen Abstand, aus heutiger Sicht.

 

Kritik

Die Kritik an Freuds Werken war von Anfang an riesig! Seine Fokussierung auf die Sexualität war zum einen zeittypisch (man denke an die damals noch recht neuen biologistischen Theorien Darwins!), auf der anderen Seite im Wortsinne unerhört. Schon mit der nächsten Generation von Tiefenpsychologen, angeführt von C. G. Jung, wurde das Primat der Sexualität wieder infrage gestellt, da der Mensch höchstwahrscheinlich über noch viel komplexere seelische Mechanismen verfügt als den Drang, sich fortzupflanzen.

 

Wirkung

Die Freudsche Psychoanalyse wird heute nicht nur als Teilgebiet der Psychologie, sondern als Zeiterscheinung auch historisch und philosophisch betrachtet. Freuds zentrale Theorie des "Ödipus-Komplexes" ist sprichwörtlich geworden, Kunst und Literatur nehmen teilweise verdeckt, teilweise offen Bezug auf Freuds Theorien. Der Regisseur A. Hitchcock hat die (damals noch recht neue) Psychoanalyse sowohl offen im Film "Ich kämpfe um dich (Spellbound)" thematisiert wie auch verdeckt in "Vertigo" und "Marnie" und hat somit stark zu einer weiten Verbreitung psychoanalytischer Theorien beigetragen.

 

Verbreitung

Die Psychoanalyse bezeichnet strikt das Freudsche Verfahren der Psychotherapie. Ableitungen, die von Freud im allgemeinen verurteilt bzw. abgelehnt wurden, werden z. T. als Neo-Psychoanalyse oder allgemeiner als Tiefenpsychologie bezeichnet, da sie seine zentrale Konstruktion des Unbewußten teilen, aber andere Theorien hinsichtlich Entstehung und Behandlung von Neurosen aufstellen. Zentren der Psychoanalyse sind seit jeher der deutschsprachige Raum bzw. Österreich und auch Frankreich, wo sich zahlreiche Psychologen und Philosophen fundiert mit Freuds Theorien auseinandergesetzt haben.